Sonderausstellung

05.09.2020 bis 28.02.2021

endlos kreisend

Kreise in Bildern und Skulpturen von Frank Hüller (Steinbildhauer Berlin / Pößneck)

 

 

Unser Angebot

Um denen, die zur Eröffnung wegen der Begrenzung vielleicht nicht dabei sein können, eine Besichtigung der neuen Sonderausstellung zu ermöglichen, werden wir am Sonntag, 06.09.2020 zwischen 16 bis 17 Uhr, freien Eintritt ins Museum einräumen.
Es gelten alle Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, u.a. ist die max. Besucherinnenzahl auf 40 begrenzt.

(Stand: 09/2020, Änderungen vorbehalten.)

 

„endlos kreisend“

Der Titel der Ausstellung „endlos kreisend“ ergab sich, erzählt der Künstler. Der Kreis begegnet uns in der Ausstellung zweidimensional auf Blättern und dreidimensional als Skulpturen. Es sind Material

kombinationen aus kreisrunden Eisenscheiben und anderen Materialien wie Holz, Gummi oder Aluminium. Die Verbindung unterschiedlicher Materialien ist in dieser Ausstellung ein typisches Merkmal der Arbeiten Hüllers. Hinzu kommt ein Bezug zur Kreislaufwirtschaft. Viele Materialien sind wiederverwendet. Im Fall der vier Räder, die sie in der Ausstellung sehen, sind es Eisenschei

ben, die der Künstler auf dem stillgelegten Gelände eines Kabelwerks gefunden und geborgen hat, um sie irgendwann weiterzuverarbeiten. Hinzu gesellt sich in der einen Skulptur ein Holzkern, der bei einem Spaziergang ins Auge fiel, und die Möglichkeit bei einem Sandform-Eisenguss-Symposium in Heinrichshütte in Thüringen im Jahr 2010, die Verbindung unterschiedlicher Materialien durch Gießtechniken auszutesten.
In der weiteren Arbeit erwies sich die Kombination von Alt-Eisen und neuem Aluminiumguss erneut einsetzbar. So etwa beim „Preis für Mobilität“, in dem ein Grabschmuck wiederverwendet wurde, der in einen Autoreifen – auch dieser ist wiederverwendet – einmontiert wurde. Ebenso stammen die „Frageköpfe“ in einer weiteren Skulptur aus einem früheren Werk und wurden recycled. Das Thema Bewegung findet sich auch im Werk mit dem brachialen und nichts auslassenden Titel „Mensch – Religion – Mythos (Drei weibliche Körper zerteilt und überrollt)“ beziehungsweise kürzer „3 Grazien auf dem Rad“. Das uralte Bild universaler Trinität wird von einem Rad, dem Zeichen für den technischen Fortschritt und menschliche Zivilisation, überrollt und zerteilt. Die Speichen, die eigentlich Halt bieten sollen und in die man greifen könnte, stellen sich als abgebrannt und verbraucht dar.
Die Sockel der Skulpturen sind aus Holz, mal natürlich in Form von Baumscheiben belassen, mal zu Floß und Treppe als Zeichen für Fortbewegung montiert. Sie bilden damit Varianten eines Fundaments in gedanklichen wie statischen Fragen für die dreidimensionalen Kreisbilder.
An den Wänden können Sie bildnerische Variationen des Kreisthemas entdecken. Auch hier kombiniert der Künstler verschiedene Stadien des Materials. Aus diesem mehrschichtigen Arbeitsprozess entstanden Blätter, die Palimpsesten ähneln – zum Teil sind noch alte Aufschriften erkennbar –, weil auch hier Gefundenes die Grundlage bildet. Da sind alte Flipcharts oder Plakate oder auch aussortierte Kinderzeichnungen, die vom Künstler vor dem Ende im Papierkorb bewahrt und durch ihn neu interpretiert und bearbeitet wurden. Auch in diesen Herstellungsprozess ist damit das Thema der Ausstellung in einer Abwandlung eingeschrieben, Dinge werden in einen neuen Kreislauf eingebracht.
Frank Hüller sagt zu diesem Schaffen: „Zahnräder, Roste, Formen und Kontraste, passende und verstörende Materialen suchen, finden und in neuen Konstellationen zu Bildern sortieren, ist wie im eigenen Kosmos (immer wieder Himmelsscheiben) herumirren und Strandgut einsammeln und den Zusammenhängen nachspüren. Den Kreis, ein vom Menschen geschaffenes Modell-, Schablonen- und Idealbild, wollte ich benutzen, aber auch brechen, bespielen, Formen und Materialien sich begegnen lassen und in Zusammenklang bringen mit Details aus meinem Gedanken-, Formen- und Zeichenfundus.“

 

Auszug aus der Laudatio von Dr. Anne-Kathrin Will / Foto: Frank Hüller

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