Vorträge im Museum642
Gemeinsame Veranstaltungsreihe des Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte und des Vereins für Heimatgeschichte Pößneck e. V.

11.05.2019
Bet‘ Kinder, bet‘ morgen kommt der Schwed‘ – Pößneck in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, Vortrag: Karl Ernst

Das Jahr 1640 prägte sich tief in die Erinnerung der Einwohner Pößnecks und der Umgebung ein. Anfang April wälzte sich der gewaltige Heerstrom der schwedischen Armee an der Stadt vorbei und zog durch das Orlatal in Richtung Rudolstadt/Saalfeld. Plünderungen und Totschlag säumten den Weg der Kriegsknechte. Das Jüdeweiner Kirchenbuch berichtet: „Den 11. April ist Nicol Oechsner zu Köstitz, welcher den Tag zuvor von den diebischen Raubvögeln und Landsknechten jämmerlich und erbärmlich unter Köstitz ist durchstochen und erschossen worden, christlich zur Erde bestattet worden, seines Alters 37 Jahre.“ Wenig später folgte die kaiserliche Armee mit zigtausend Soldaten. Bei Saalfeld bezogen sie Stellung und blieben sieben Wochen einander gegenüber liegen. Von dort aus fiel der schwedische Obrist Königsmarck Mitte Mai in Pößneck ein. Das Wüten der schwedischen Truppen in der Stadt und ihre Grausamkeiten blieben im Gedächtnis der Menschen gleichsam als Synonym für die Schrecken des Krieges an sich. Noch bis ins 20. Jahrhundert sangen die Kinder ein weitverbreitetes kleines Liedchen aus jener Zeit auf die Melodie des um 1610 entstandenen Liedes „Schlaf Kindlein schlaf“ mit dem Text: „Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg…“ Eine meist vergessene andere Strophe verweist auf die Entstehungszeit, den Dreißigjährigen Krieg: „Bet‘ Kinder, bet‘, / morgen kommt der Schwed. / Morgen kommt der Oxenstern, (Reichskanzler und oberster schwedischer Kriegsherr) / der wird die Kinder beten lehr’n.“

Nach mehr als 20 Jahren Krieg hatten dessen Auswirkungen die zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufblühende kleine Stadt Pößneck schwer getroffen. Die Manipulationen der Kipper und Wipper hatten das Geldwesen in Unordnung gebracht und Handwerk und Handel beeinträchtigt, die Pest hatte die Stadt heimgesucht und einen großen Teil der Einwohner ausgelöscht, um ihres Glaubens willen Vertriebene suchten eine neue Heimat in Pößneck, ein unglaublicher Hexenprozess stiftete Unfrieden zwischen den Bürgern, und schließlich kam der Krieg selbst in die Stadt. Durchzüge, Unruhe und Angst, Einquartierungen, Kriegskontributionen, Not, Verarmung und Gewalttaten quälten die Menschen und bestimmten zunehmend ihr Leben.

Inzwischen standen sich in diesem Krieg, der im Namen der Verteidigung der Reformation und des Kampfes für den Protestantismus auf der einen Seite und im Zuge der Rekatholisierungsbestrebungen des Kaisers und mächtiger Fürsten- und Staatenbündnisse auf der anderen Seite begonnen hatte, die Gegner mit riesigen Armeen feindlich gegenüber und verwüsteten mit ihrer Soldateska Land, Städte, Besitz, Kultur und Menschlichkeit.

Es ging nicht mehr um Gott und schon gar nicht um den allgemeinen Nutz, sondern um die Durchsetzung machtpolitischer Kalküle. Das erfuhren die hiesigen Einwohner durch rasch wechselnde Besatzer, die den Unterschied zwischen Freund und Feind nicht erkennen ließen. Dabei standen die schlimmsten Jahre für Pößneck noch bevor.

Umfangreiche Recherchen in den Akten des Pößnecker Stadtarchivs und in den Pößnecker Kirchenbüchern jener Zeit offenbaren durch viele neue Details ein vielfältiges Bild der Geschehnisse in diesen Schreckensjahren, letztlich aber auch den Überlebenskampf der Pößnecker Einwohner und ihren Willen zur Überwindung der traumatischen Erlebnisse und zum Aufbau und Neubeginn nach Kriegsende.

Dieser Vortrag stellt gleichzeitig das neue Sonderheft der „Pößnecker Heimatblätter“ vor.

 

Preis pro Person: 4 €; Schüler/Studierende (mit Ausweis) 2,50 €; Kinder unter 6 Jahren frei

Kartenvorverkauf:
Stadtinformation / Museumskasse
Klosterplatz 2-4-6, 07381 Pößneck, Tel. 03647 412295, Email: Stadtinformation@poessneck.de

Im Museum642 ist die Pößnecker Stadtgeschichte neu in Szene gesetzt –
im denkmalgerecht saniertem Domizil am Klosterplatz

Pferdehimmel, Schwarze Küche und eine begehbare Litfaßsäule - das alles und vieles mehr gibt es im Museum642 in Pößneck. Das Denkmalensemble aus drei geschichtsträchtigen Gebäuden steht auf dem Gelände des ehemaligen Karmeliterklosters, das hier vor 700 Jahren gegründet wurde und bis zur Reformation bestand, womit Geschichte am authentischen Ort erzählt werden kann. Das Museum642 spannt den geschichtlichen Bogen von der Ersterwähnung des Ortes bis in die Gegenwart. Zugleich finden sich immer wieder Bezüge zur vielgestaltigen Haus- und Nutzungsgeschichte der ehemals drei Häuser. Ausgehend vom überdachten Innenhof können Sie alle Museumsebenen auf einer individuellen Runde erkunden und Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart multimedial erleben.

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