Eine Entdeckungs- und Zeitreise
Das Pößnecker Museum642 ist ein Erinnerungs- und Lernort. Drei aus unterschiedlichen Zeiten stammende Häuser prägen dieses einmalige Ensemble, das schon äußerlich zu den interessantesten Museumsbauten in Thüringen gehört. Im Innern bietet es weit mehr als einen Rundgang durch die Stadtgeschichte. Die Erzählebenen reichen von multimedialen Einblicken in größere geschichtliche Zusammenhänge und Hörstationen mit authentischen Einzelschicksalen bis hin zum Objekt in klassischer Präsentationsform.

Museumskater Franz Adelbert Hüthling, dessen Figur an den in Pößneck gedrehten DEFA-Klassiker „Moritz in der Litfaßsäule“ angelehnt ist, führt unterhaltsam in einem Film durch die städtische Entwicklung. Vom Kinoraum begeben sich die Besucher über ein Lichtleitsystem auf Entdeckungsreise durch das vielgestaltige Haus, in dem kein Raum dem anderen gleicht. Die Museumskonzeption greift diese Spezifik als einmalige und besonders reizvolle Herausforderung auf. Jedes Raumthema nimmt Bezug auf das Vorgefundene und arbeitet mit der historischen Bausubstanz.

Ein Beispiel soll das exemplarisch illustrieren. In einer der beiden aus dem späten Mittelalter stammenden Bohlenstuben werden Zimelien, wertvolle Urkunden und Schriften, präsentiert. Die Schöffenspruchsammlung aus dem 15. Jahrhundert, die als Musterbeispiel für eine einheitliche Rechtssprechung in die deutsche Rechtsgeschichte eingegangen ist, geht auf Stadtschreiber Johann Jeche zurück. Über sein Leben informiert in anschaulicher Form ein Trickfilm, der in einem Guckkasten zu sehen ist. Wer nach dem Blick in die Schreibstube Lust hat, sich selbst mit alten Schriften zu versuchen, kann das an einem interaktiven Schreibpult tun. Lokale Stadtgeschichte wird nicht nur bei dieser Thematik mit den Entwicklungen der Zeit verbunden. Das Pößnecker Museum lässt anhand konkreter Ereignisse Geschichte für Besucher aller Altersgruppen lebendig werden.

Vom Einzelschicksal zu Ereignissen der deutschen Geschichte
Luther-Anhänger Bonifatius von Roda kommt mit seinen Predigten gegen die Bilderstürmerei ebenso zu Wort wie der Porzellanfabrikant Conta oder die Vagantin Leinin, die vom harten Leben auf der Straße berichtet. Anzutreffen ist sie am Reiseweg, den Goethe viele Male passierte. Eine Schwarze Küche, die Miniaturist Gerhard Bätz (Rococo en miniature) als sein letztes Werk eigens für Pößneck geschaffen hat, vermittelt in Bild und Ton die Arbeit einer Dienstmagd bei der Speisezubereitung im 17. Jahrhundert. Immer wieder werden Geschichte und Geschichten miteinander verbunden. Die spektakuläre Ballonflucht zweier Pößnecker Familien aus der DDR ist anhand von Originalaufnahmen der Nachrichtensender auf beiden Seiten der Mauer dargestellt und aus der Duschbrause eines Friseursalons erfahren die Besucher mehr zur »Haarschneideaktion« von 1969, bei der junge Männer zwangsweise kurz geschoren wurden. Im Kino und in Themenräumen vermitteln historische Filmaufnahmen ergänzend einen Eindruck in das Stadtleben des 20. Jahrhunderts.

Auch der Raum Archäologie ist exemplarisch für die inhaltliche und gestalterische Vorgehensweise. In Vitrinen werden Funde bedeutender Grabungsfelder von Pößneck und Umgebung vorgestellt. Das absolute Prunkstück, die Replik des Maskenarmreifs eines keltischen Kriegers, zeigt das erste menschliche Porträt aus der Region. Ein Pferdeskelett, das bei Bauarbeiten hier gefunden wurde, hat seinen endgültigen Platz im »Pößnecker Pferdehimmel« erhalten. Präsentiert wird das Thema in einem Raum mit fensterlosen Natursteinmauern, die vom ehemaligen Karmeliterkloster aus dem Mittelalter erhalten geblieben sind.

Pößneck gehörte um 1900 zu den prosperierendsten Städten in Thüringen. Die lange Tradition, auf die die Porzellan- und Textilindustrie zurückblicken kann, findet sich im Museum642 ebenso wieder wie die Druckindustrie, die zur größten in ganz Deutschlandzählte. Wer wissen möchte, was Hoch-, Tief- und Offsetdruck ganz praktisch bedeuten, kann sich eine entsprechende Druckplatte mit der Stadtansicht von Pößneck abrubbeln. Schließlich wird dem Besucher auch Eintritt in eine Schatzkammer gewährt: Die Schausammlung vermittelt mit Porzellan, Keramik, Bronzen und Bildern einen Blick in die Bestände.

Auf der Entdeckungs- und Zeitreise im Museum642 erleben Sie:

››› Guckkästen mit Trickfilmen zu historischen Persönlichkeiten vom Mittelalter bis in die Neuzeit
››› Hör- und Filmstationen mit authentischen Einzelschicksalen
››› Schwarze Küche mit einem liebevoll gestaltetem „Miniatur-Modell“ von Gerhard Bätz
››› Moritz in der Litfaßsäule – ein beliebter DEFA-Film in Pößneck gedreht
››› Hausgeschichten aus acht Jahrhunderten
››› Thematische Räume von archäologischen Ausgrabungen bis zum 21. Jahrhundert
››› Fließband und Transmissionsantrieb zur Industriegeschichte
››› Original Pferdeskelett im »Pößnecker Pferdehimmel«
››› Anschauliche Stadtgeschichte auf Bilderfriesen
››› Historische Filme zur Stadt- und Industriegeschichte
››› Einblicke in die Sammlung (Malerei, Grafik, Porzellan, Keramik, Plastik u.v.m.)