6-4-2 und 1-2-3 – das heutige Museumsensemble wurde zusammengefasst aus den drei Häusern Klosterplatz 2, 4 und 6. Ganz ursprünglich wurden diese jedoch nicht als ein oder drei, sondern als zwei Häuser gebaut.

Klosterplatz 2/4

Das Anwesen Klosterplatz 2/4 zählt zu den ältesten Häusern Pößnecks. In der Nordwestecke von Klosterplatz 2 befinden sich Reste eines alten Wohnturms, der im 13. oder 14. Jahrhundert erbaut wurde. Nachdem sich 1315 Karmelitermönche in Pößneck niederließen und im südwestlichen Bereich der Stadt ihren Klosterbezirk ausbauen durften, entstand der heutige Komplex Klosterplatz 2/4. Er diente als Wirtschaftsgebäude, vermutlich befanden sich hier der Speiseraum der Mönche (Refektorium) und auch ein Schlafbereich (Dormitorium). Mitte des 15. Jahrhunderts wurde dieser Bereich vergrößert. Es wurde um ein Obergeschoss aus Fachwerk mit einer Bohlenstube erweitert, deren dendrochronologische Untersuchung ein Fälldatum des Holzes im Jahr 1448 ergab. Damit gehört diese Bohlenstube zu einer der ältesten bekannten in Thüringen. Daran schloss sich eine Küche mit offener Feuerstelle an. Reste dieser schwarzen Küche sind heute noch sichtbar. Nach der im Zuge der Reformation 1525 vollzogenen Auflösung des Klosters verkaufte die Stadt die Gebäude an Pößnecks Bürger.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte das Anwesen, zu jener Zeit noch als Nummer 23 zusammenhängend, dem Tuchmacher Georg Friedrich Horn. Nach dessen Tod teilten seine beiden Söhne den Gebäudekomplex. Einer der Brüder war Weißbäcker und richtete im heutigen Gebäudeteil Klosterplatz 2 eine Bäckerei ein. Der andere war Händler und nutzte seinen Erbteil (heute Klosterplatz 4) als Wohn- und Geschäftshaus. Durch die Weitervererbung und später die Verpachtung und den Verkauf entstanden aus dem Anwesen zwei separate Grundstücke mit verschiedenen Eigentümern.
Seit dem 19. Jahrhundert beherbergten diese Gebäude Wohn- und verschiedene Gewerbeeinheiten. Ab 1885 bis etwa 1932 befand sich im Erdgeschoss von Haus 4 die Materialwarenhandlung der Familie Kirchner, anschließend nutzte das Kaufmannspaar Nauber die Ladenräume für ihre Kolonialwarenhandlung. Seit den 1950er Jahren wurde der Klosterplatz 4 nur noch zu Wohnzwecken genutzt.
Die Bäckerei in Klosterplatz 2 wurde noch bis in die 1970er Jahre betrieben. Friedrich Wilhelm Horn war bis 1870 der Bäckermeister vom Klosterplatz 2. Nach seinem Tod verpachtete seine Familie die Bäckerei und die dazugehörigen Wohnräume. 1905 verstarb die letzte Erbin der Familie Horn. Daraufhin wurde der damalige Pächter, Bäckermeister Robert Büttner, neuer Eigentümer des Hauses. Nach der Familie Büttner übernahm die Familie Bohne die Bäckerei und führte sie bis in die 1970er Jahre weiter. In dieser Zeit prägte sich der noch heute bekannte Name „Schulbäcker“, denn Generationen von Schülern aus der benachbarten Schule besuchten fast täglich diese Backstube. Nach Schließung der Bäckerei diente auch die Haushälfte Klosterplatz 2 nur noch zum Wohnen. Ähnlich wie bei Klosterplatz 4 wurde der Verkaufsraum im Erdgeschoss erst in den 1990ern vorübergehend wieder für Geschäftszwecke genutzt.

Klosterplatz 6

Ursprünglich zweigeschossig entstand dieses Haus bereits im Spätmittelalter. Das massive Erdgeschoss aus Bruchsteinmauerwerk trug ein zweites Geschoss aus Fachwerk, dem eine Bohlenstube in Blockbauweise integriert wurde. Das verwendete Holz konnte durch eine dendrochronologische Untersuchung auf das Jahr 1453 datiert werden. Das jünger datierte Holz des umgebenden Fachwerks (1514) weist darauf hin, dass das Gebäude zu dieser Zeit umgebaut wurde und vermutlich um ein weiteres Stockwerk erhöht wurde. Dieses Haus ist mit einem Tonnengewölbe unterkellert.
Über Jahrhunderte hinweg war das Gebäude Klosterplatz 6 ein reines Wohn- und Gewerbehaus von Handwerkern. Aufgrund der Gebäudegröße fanden darin mehrere Familien Platz. In den ersten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts lebten hier Schuhmacher, Schneidermeister, Tuchmacher und Maurer mit ihren Angehörigen. 1864 wurde das Haus erstmals als Speisewirtschaft und Fleischerei genutzt. Damals gehörte es der Familie Reichmann. Die verwitwete Hauseigentümerin Ernestine Reichmann erhielt im Januar 1864 die Erlaubnis zum Bierausschank und eröffnete eine Schankwirtschaft. Noch im selben Jahr etablierte sie gemeinsam mit ihrem Sohn ein Fleisch- und Wurstgeschäft. Daraufhin wurde aus der Schank- eine Speisewirtschaft. 1870 verkauften die Reichmanns das Haus. 1871 wurde der Fleischermeister Wilhelm Pestel neuer Eigentümer. Das Gebäude und die Speisewirtschaft mit Fleischerei blieben schließlich 120 Jahre im Besitz der Familie Pestel. Bis 1948 aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage zunächst der Fleischverkauf aufgegeben und 1960 schließlich auch die Gastwirtschaft geschlossen wurde. Anschließend diente das Gebäude als reines Wohnhaus. Bis zum Verkauf 1995 lebte die letzte Nachkommin der Familie Pestel selbst noch im Haus.

Geschichten vom Klosterplatz

Schneidermeister Otto Bornkessel
Familie Pestel: Franz Pestel, der Künstler
Der „Klub der Hutmacher“
Die Schankwirtschaft und Fleischerei